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Aujeszky-Virus und das Schweinefleisch

Diese Zusammenfassung ist nur minimal gehalten, da man sonst Seitenweise über dieses Virus schreiben könnte. Es soll lediglich Personen dienen, die sich das erste Mal mit dem Thema beschäftigen und etwas mehr erfahren wollen. Alles weitere würden den Rahmen hier sprengen. Dies ist kein wissenschaftlicher Bericht und enthält auch meine persönliche Meinung. Fragen können gerne in Kommentaren gestellt werden, oder auch Antworten oder Ergänzungen. Auch ich lerne gerne dazu 😉

Was ist überhaupt das Aujeszky-Virus?
Die Aujeszky-Erkrankung/Pseudowut wurde nach dem Ungarischen Tierarzt Aladár Aujeszky benannt und ist Weltweit verbreitet.
Der Virus gehört zu den Herpesviren und wird auch Suides Herpesvirus – 1 (SHV-1) genannt.
Diese Krankheit wird Pseudowut genannt, da sie der Tollwut recht ähnelt.
Hauptwirt für den Virus ist das Schwein, aber auch Ratten können diese Krankheit übertragen.
So wie bei allen Herpesinfektionen beim Schwein bleibt die Infektion meist ein Leben lang erhalten und kann durch Stress (Transport, schlechte Haltung etc.) wieder hervorgerufen werden und die Krankheit ausbrechen.
D.h. das Tier wird selber nicht akut krank, aber z.b. ein Wildschwein schüttet unter Stress diese Krankheit wieder aus. (Beispiel: Drückjagd)
Es kann gegen diese Krankheit geimpft werden, dies schützt aber nur vor dem Symptomen, dass bedeutet das die Infektion trz. da sein kann und in eine andere Kolonie ohne Probleme eingeschleppt wird und andere ungeimpfte Tiere wieder infiziert. Daher ist die Impfung in einigen Ländern verboten. (Diese, die sich als Aujeszky-Frei bezeichnen z.b.)
Für Katzen, Hunde etc. gibt es keinen Impfstoff und keine Behandlungsmöglichkeit!
(Am Rande… Pferde sind interessanterweise nicht anfällig für diese Krankheit laut Prof. Dr. Harald G. Schweim)
Das Virus ist für Menschen, wie auch Primaten nicht gefährlich.
Der Nachweis im Blut gestaltet sich sehr schwierig und wird meist erst bei der Autopsie komplett Nachgewiesen. (Im Hirn)

Kurz und Bündig – Das Schwein ist der Hauptwirt und kann mit dem Virus leben, aber andere Tiere anstecken ohne Symptome zu zeigen!
(Ferkel und Jungtiere verenden meist daran)

Laut der Verordnung zum Schutz gegen das Aujeszky-Virus ist die Krankheit nicht nur Meldepflichtig, sondern als Tierseuche Anzeigepflichtig!
Ist ein Hof mit diesem Virus infiziert, kommt auf den Bauern eine Menge zu!
Bedeutet, die infizierten Tiere werden getötet, etliche Dinge müssen entsorgt, desinfiziert und gereinigt werden. Extrem hohe Kosten, weitere starke Überprüfungen usw.

Wie oft muss der Landwirt testen?
Laut der Verordnung im §3:
„Der Besitzer hat Zucht- und Nutzschweine im Abstand von längstens 12 Monaten nach näherer Anweisung der zuständigen Behörde serologisch auf Antikörper gegen das gl-Glykoprotein des Virus der Aujeszkyschen Krankheit untersuchen zu lassen,……..“
Oder Auch weiter…..
§17 – Abschnitt 2 – Punt 2: 2.   „Im Abstand von sechs Monaten müssen bei Zuchtsauen und -ebern blutserologische Kontrolluntersuchungen mit negativem Ergebnis auf Antikörper gegen das gI-Glykoprotein des Virus der Aujeszkyschen Krankheit durchgeführt worden sein. Die zuständige Behörde kann in Abhängigkeit von der epidemiologischen Situation den Abstand für die Kontrolluntersuchung auf drei Monate verkürzen oder bis auf maximal zwölf Monate verlängern….. „
(Bedeutet… Hat ein Hof über 100 Schweine, werden 30 Stichprobenartig getestet!
Sollte der Virus nicht auftreten, gilt der Bestand als Aujeszky-Frei! Der Stichprobenschlüssel unterscheidet sich bei Zucht und Mastschweinen – Siehe Quellenangabe für genaue Zahlen)

Übertragen wird der Virus unter Schweinen tatsächlich auch über die Luft.
Aber hauptsächlich über die Tröpfcheninfektion, Schleimhäute, Deckakt, etc. (Ein Landwirt muss aber tatsächlich so gut wie ALLES desinfizieren lassen bei Befall! Traktoren, Ställe etc.. Das macht einem dann doch größere Gedanken…)
In wie Fern schon geschlachtetes Fleisch im Raum anderes Fleisch infizieren könnte, habe ich noch nichts gefunden. (Ist aber in Arbeit)

Aber Deutschland ist doch Pseudowut frei!!! Oder nicht???
Also ich finde etliche Zahlen… www.tierklinik.de spricht von 2003/2004, der Autor Gerd Ludwig spricht in dem Buch „Katzen – Das große Praxishandbuch“ sogar von dem Jahr 2009, wobei ich keine Einzelnachweise gefunden habe zu diesem Jahr. Lediglich zu einem erneuten Ausbruch 2004 in Niedersachsen und NRW.  (www.jaegermagazin.de)
Wobei das Friedrich-Loeffler-Institut von 2003 spricht im Hausschweinebestand…
Aber was ganz klar nicht „Frei“ ist, ist der Wildbestand. In NRW wird der Befall auf 10% bis sogar hin zu 30% geschätzt. Also ist meiner Meinung nach eine Ansteckungsgefahr für die Hausschweine nicht auszuschließen oder zu 100% vermeidbar.
Auf jeden Fall wurde bei Wild immer wieder das Virus nachgewiesen.
Offiziell sind in den letzten Jahren hauptsächlich Jagdhunde verendet bei der oralen Aufnahme von Fleisch. Ob bei der Jagd an sich, oder durch die Fütterung gibt es keine genauen Artikel die das Bestätigen in genauen Zahlen.

Frisst der Hund, die Katze (und weitere Säugetiere) nun infiziertes Fleisch, reicht es wenn der Hund das infizierte Fleisch z.b. von einem Wildschwein nur in sein Maul nimmt oder dran leckt oder ausgiebig riecht. Selbst kontaminierte Gegenstände können ausreichen, wobei dies eher selten ist.
Ist das Tier infiziert, ist der Tot in den nächsten 24-72 Stunden nicht weit entfernt.
Es gibt keine Behandlungsmöglichkeit und diese ist dem Tierarzt auch untersagt.
Genau so wie es zu verschleiern das es aufgetreten ist. Die Euthanasie wird dort zwingen vorgeschrieben und dem Tier wirkliches Elend erspart. (Einschläferung)
Die Symptome werden wie folgt beschrieben: Fieber, Krämpfe, unruhiges Verhalten, teilweise sogar aggressives Verhalten, oder das genaue Gegenteil… D.h. das Tier wirkt schlapp und ruhig. Mit am Häufigsten beschrieben wird starker Juckreiz, bis hin zur Selbstverletzung.

Kann das Fleisch nun verfüttert werden oder nicht?
Laut verschiedener Berichte kann Schweinefleisch gekocht verfüttert werden da das Virus ab 55°C ab 8 Min inaktiviert wird. Wobei überall von inaktivierung gesprochen wird. Lediglich bei einem Bericht habe ich bei 88°C von „absterben“ gelesen.
Grundsätzlich sollte das abgekochte Schweinefleisch kein Problem sein.
Wobei Autoren wie Heike Schmidt-Röger, Gerd Ludwig und Petra Stein von der Fütterung abraten.
Swanie Simon, eine bekannte BARF-Autorin verneint die verfütterung nicht grundsätzlich, weißt aber auch in ihrem Buch vorsichtshalber auf das gute abkochen von Schweinefleisch hin.

Auch die neue Verordnung im April 2015, die uns auf Fleischverpackungen genau sagen soll, wo das Fleisch herkommt ist nicht immer ganz so leicht zu lesen und zu verstehen. Nämlich es steht auch „Deutschland“ auf Verpackungen drauf, wo mehrere Herstellungsländer dran beteiligt waren, aber zu guter letzt in Deutschland verarbeitet wurde.

FAZIT: (Meine persönliche Meinung!)
Ich selber würde kein rohes Schweinefleisch verfüttern. Höchstens gekocht, was dem Tier aber nun auch nicht wahnsinnig viel bringt.
Mir ist die Gefahr einfach zu groß, da dieses Virus nicht komplett ausgerottet ist, sondern lediglich Stichpunktartig im Hausschweinebestand getestet wird und bis jetzt OFFIZIELL nicht mehr in Deutschland aufgetreten ist.
Und sind wir mal ehrlich… Es ist nicht Lebensnotwendig für den Hund oder die Katze, daher auch kein „Muss“.
Genau so achte ich darauf das mein Hund im Wald nicht an totes Wild geht, oder davon frisst.
Erst im ??? diesen Jahres wurde im Thalfang positives Wildschwein getestet wo auch ein Hund verendete. [EDIT: Mein Fehler, warte noch auf die genaue Bestätigung, lediglich Zeitungsartikel vorhanden)

Tiefgründigere Fragen ergänze ich gerne im Nachhinein in dieser Zusammenfassung…

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Quellen:
– Tierseuchenrecht
– Katzen – Das große Praxishandbuch
– Hunde – Das große Praxishandbuch
– Naturheilpraxis Hunde
– BARF – Biologisch Artgerechtes Rohes Futter
– http://www.tiermedizinportal.de/tierkrankheiten/hundekrankheiten/aujeszky-krankheit-beim-hund/124112
– http://www.animal-health-online.de/gross/2015/10/29/wildschwein-mit-todlichem-aujeszky-virus/30443/
– http://www.uni-giessen.de/cms/fbz/fb10/institute_klinikum/klinikum/klinik-fur-wiederkauer-und-schweine/klinik-schwein/lehre/vorlesung-6-semester/lerninhalte/Gesamtskript.pdf
– https://de.wikipedia.org/wiki/Pseudowut
– http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/aujeszkkrv/gesamt.pdf
– http://jagdfunk.de/jf014-aujeszky/
– http://www.animal-health-online.de/lme/2015/04/02/mehr-transparenz-angabe-des-aufzucht-und-schlachtorts-jetzt-pflicht-fur-schweine-ziegen-geflugel-und-lammfleisch/8586/
– http://www.patho.vetmed.uni-muenchen.de/studium_lehre/krankheitslehre/62_m__aujeszky.pdf
– http://www.altmarkkreis-salzwedel.de/desktopdefault.aspx/tabid-72/116_read-1854
– http://www.barfinfo.de/was-ist-das-aujeszky-virus/
– http://www.tierklinik.de/medizin/infektionskrankheiten/virusinfektionen/aujeszkysche-krankheit
– http://www.jaegermagazin.de/artikel/aujeszkysche-krankheit/
– http://www.fli.de/de/institute/institut-fuer-molekulare-virologie-und-zellbiologie-imvz/referenzlabore/nrl-fuer-ak/